Name Dekanat, Propstei, Zentrum, XY

Angebote und Themen

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.

    AngeboteÜbersicht
    Menümobile menu

    Hans-Friedrich Becker-Lichtenberger geht in den Ruhestand

    Ein Stück Psychiatriegeschichte kennengelernt

    (c) DekanatHans-Friedrich Becker-LichtenbergerHans-Friedrich Becker-Lichtenberger

    36 Jahre lang war Hans-Friedrich Becker-Lichtenberger als Klinikseelsorger „auf dem Eichberg“ und zudem im Otto-Fricke-Krankenhaus und in der Villa Lilly, tätig. Jetzt geht er Ende des Jahres in Ruhestand. Am 9. Januar 2022 wird er im kleinen Kreise in der Kapelle der Vitos Rheingau durch Dekan Klaus Schmid verabschiedet. „Mir hat die Arbeit wirklich Freude gemacht“, sagt Gemeindepädagoge Hans-Friedrich Becker-Lichtenberger dankbar.

    1985 kam er „auf dem Eichberg“, einst eine der größten und modernsten Landesheilanstalten für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

    Er kann sich noch an seine Anfänge erinnern: „Ich wurde gut eingearbeitet, sowohl von meiner Kollegin Ruth-Maria Oettinger, als auch von den Ärzten und den Mitarbeitenden.“ Er ließ sich von ihnen mit auf die Stationen nehmen, lernte so den Alltag des medizinischen Personals und der Klienten kennenlernen. „Manchmal habe ich mich auch einfach ins Café gesetzt und mit den Patienten gesprochen“, erinnert er sich. Damals gab es knapp 700 Betten in der Klinik, zum Teil auch noch große Aufenthaltsräume und Schlafsäle.

    Die Entwicklung in der Psychiatrie habe sich seit stark verändert, heute gibt es keine Stationen mehr mit über 30 Patienten, keine Trennung in Männer- und Frauentrakt. Die wohnortnahe Unterbringung ist längst Alltag. „Ich habe in den Jahrzehnten ein Stück Psychiatriegeschichte miterlebt“, so Becker-Lichtenberger. Damals wurden Patienten über einen viel längeren Zeitraum als heute stationär behandelt. Dadurch sei es auch möglich gewesen, eine Beziehung zu den Menschen aufbauen. Manche Klienten kennt er schon seit 20-30 Jahren. „Auch ein psychiatrisches Phänomen: die Drehtür. Die Menschen kommen immer wieder“, ergänzt er.

    In der Arbeit gab es immer auch herausfordernde Situationen und Momente, „aber ich habe immer etwas zurückbekommen. Dafür bin ich sehr dankbar“, so Klinikseelsorger Becker-Lichtenberger. Als Seelsorger war Hans-Friedrich Becker-Lichtenberger nicht nur mit Mitarbeitenden und Klienten in Kontakt, sondern auch mit den Angehörigen. Er leitete über mehrere Jahre eine Angehörigengruppe und arbeitete im Psychoseseminar mit, eine „Trialog“ Veranstaltung mit Klienten, Angehörigen und „Profis“.

    In den ersten Jahrzehnten seiner Tätigkeit erlebte der Seelsorger sehr viel Wertschätzung und Offenheit gegenüber der Klinikseelsorge. Es gab einen guten Austausch und „uns wurde großes Vertrauen entgegengebracht“, sagt er rückblickend. Neben den vielen Gesprächen, konnte Klinikseelsorge Angebote mit den Stationen abstimmen und anbieten. So gab es etwa eine Kontemplationsgruppe, Gesprächsgruppen oder Biografiearbeit mit den Klienten aus der Geriatrie, etwa mit Patienten, die an Alzheimer litten. „Wir haben damals mit Kärtchen auf denen ein Wort oder ein Bild waren gearbeitet, um Menschen ins Erzählen und ins Gespräch zu bringen. Wir haben vieles selbst entwickelt und ausprobiert, weil es wenig Materialien gab“. In der Musikgruppe spielte er Gitarre, sein Kollege Manfred Wilfert Querflöte und die Patienten sangen. „Erst haben wir Volkslieder gespielt, später dann auch Schlager und Popmusik“, sagt Becker-Lichtenberger schmunzelnd. Gut erinnere er sich noch an die erste Disco, die sie Mitte der Achtziger veranstaltet haben. „Vorher haben wir von der Klinikleitung ein paar Eimer Farbe bekommen, und dann haben die Klienten den Kellerraum frisch gestrichen und anschließend ihre Kassetten zur Disco mitgebracht.“

    Viele Sinn-Fragen gestellt

    „Mir hat die Arbeit wirklich Freude gemacht“, sagt er aus vollem Herzen, „weil sie immer auch einem Wandel unterworfen war“. Neue Arbeitsbereiche kamen hinzu: neben Erwachsenen- und Kinder-und Jugendklinik, die Forensik, also eine Klinik für psychisch kranke Straftäter und die Psychosomatik. In seiner Arbeit ging es vor allem um die Sinn-Frage. „Warum trifft die Krankheit mich?“, „Was trägt mich?“, die Frage nach Leid, Tod, Verlust und Schuld, sowie weitere spirituelle Fragen waren in den Gesprächen und in der Arbeit zentral, gerade jenseits der Therapie, wo solche Fragen auch mal ausgeklammert würden.

    „In all‘ dem sehe ich Dich, ich nehme Dich wahr, so wie du jetzt bist, mit all‘ dem Schweren, Aufgedrehten und nicht Einschätzbaren“, lautet das Credo des Klinikseelsorgers.

    „Wir Seelsorger hatten eine hohe Kompetenz (Klinische Seelsorgeausbildung, Therapeutische Zusatzausbildung, Kontemplation) und waren als Gesprächspartner gefragt“, berichtet er. Auch bei den großen Konferenzen in der Klinik war lange Zeit immer ein Beitrag der Seelsorge gewünscht. Die Zusammenarbeit oder das Einholen von Einschätzungen sei früher einfacher gewesen. „Heute sind wir von solcher Kommunikation abgeschnitten“, meint der Evangelische Seelsorger nachdenklich. Eine integrierte Seelsorge in und für das Krankenhaus sei nicht mehr möglich.

    Becker-Lichtenberger hat zusammen mit seinem ehemaligen Kollegen auch die Geschichte des Eichbergs aufgearbeitet. In Zeiten des Nationalsozialismus war der Eichberg ein Ort der Euthanasie. Mittlerweile sind die Gedenkveranstaltung am 1. September sowie der historische Rundgang fester Bestandteil im „Einarbeitungsmanagement“, etwa, wenn neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden.

    Seit 2004 arbeitete er auch noch im Otto-Fricke-Krankenhaus und für etwa neun Jahre in der Villa Lilly. „Die vielen Begegnungen ganz unterschiedlicher Art bleiben in meiner Erinnerung“, sagt der 65-jährige. Gerade der Akutbereich sei im sehr ans Herz gewachsen. „Es war eine schöne und prägende Zeit.“

    In seinem Ruhestand möchte er wieder mehr Gitarre spielen, besonders E-Gitarre. Zudem ist er im Burgverein Frauenstein engagiert und bietet dort unter anderem Führungen an.

     

    Diese Seite:Download PDFDrucken

    to top