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    Serie „Zwischenräume“ (1)

    Das richtige Maß

    Margit BinzMargit Binz bekommt Besuch von Staren, die im Garten ihre Jungen füttern - und ziemlich Krach machen.

    Die Corona-Pandemie versetzt uns in einen bisher ungekannten Ausnahmezustand. Die Zeit vor Corona schimmert noch durch. Doch was kommt dann? In der Serie „Zwischenräume“ schildern Menschen im Gebiet des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald ganz subjektiv, wie sie diese Zeit erleben.

    Dekanat Vorderer Odenwald

    Mich beschäftigen jeden Tag andere Fragen und völlig widersprüchliche Gedanken und Gefühle. Ich finde es sehr erleichternd, keine feste Meinung und ein wandelbares Gefühlsleben haben zu dürfen. Ich bin in der Situation, nicht allein zuhause zu sein und das weiß ich gerade besonders zu schätzen, so wie mir überhaupt vieles zurzeit besonders erscheint: Der noch immer strahlend blaue Himmel ohne Flugverkehr, der ohrenbetäubend laute Schwarm von Staren, der in unserem Garten seine Jungen füttert, dass viele Leute etwas mehr Zeit haben für ein Schwätzchen und sich sogar darüber freuen.

    Ich gehe mehr raus und wandere fast jedes Wochenende: Die Storche in Münster bestaunen, von Heiligkreuzsteinach zur alten Quelle am Lichtenklinger Hof, oder rund um Grasellenbach mit drei Blindschleichen auf dem Weg. Das macht mich glücklich. Auch wenn mein Gefühlsleben wandelbar ist, die Schwankungen halten sich gerade in Grenzen, das finde ich auch besonders. Ich habe im Moment keine großen Ängste, ich bin eher noch immer verwirrt und staune über das Undenkbare, was alles passieren kann. Das zeigt auch, dass ich in einer ziemlich glücklichen Situation bin.

    Ich bin dankbar dafür, dass und wie ich leben kann, dankbar für unsere funktionierenden Gemeinwesen und ich habe das Gefühl, ich sollte der Welt etwas zurückgeben. Zu meinem großen Erstaunen vermisse ich durch die Beschränkungen nicht viel. Eher habe ich das Gefühl: Jetzt kommt alles mal auf das richtige Maß. Am meisten vermisse ich vielleicht das Gefühl, die Welt ist klein. Wir haben Familie in den USA, die werden wir dieses Jahr wahrscheinlich nicht sehen, auch die Freunde und Freundinnen weit weg. Das kommt mir jetzt noch weiter weg vor. Nach meinem Gefühl ist die Welt gerade größer geworden. Doch auch das kommt mir ganz gesund und realistisch vor.

    Für nach der Pandemie wünsche ich mir, meine Familie und Freunde gesund und wohlauf zu sehen und in die Arme zu nehmen. Ich wünsche mir auch, das rechte Maß zu behalten und nicht wieder in eine getriebene Hektik zu verfallen. Und ich wünsche mir eine große Welt ohne nationale Grenzen, auch wenn das vielleicht unrealistisch ist. Persönlich wie gesellschaftlich steht meiner Ansicht nach an, unseren Lebensstil neu auszurichten. Fragen, die dabei helfen könnten, wären vielleicht: Was brauchen wir? Was macht uns glücklich? Wofür sind wir dankbar? Und was hält uns zusammen?


    Zwei Haikus von Issa, japanischer Dichter (1763-1827)

    Sogar mein Schatten
    Ist munter und kerngesund
    Am Frühjahrsmorgen!

    So schlicht und einfach
    Fand sich der Frühling ein:
    Als Blau des Himmels!

    Aus:
    Haiku, Japanische Dreizeiler, Heyne Lyrik Nr. 11, Hg: Manfred Kluge, übertragen von Jan Ulenbrook

    Haikus sind japanische Gedichte, die einer strengen Form folgen: 17 Silben, drei Zeilen a 5, 7, 5 Silben. Es sind Momentaufnahmen impressionistischer Art.

    Margit Binz, Langen, 17. Mai 2020

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