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    70 Jahre EKHN-Kirchengeschichte im Zeitraffer:

    Diskutierfreudig und politisch

    Claudia PfannemüllerDekan Volkhard Guth, Präses Ulrich Oelschläger, der ehemalige Präses Karl Heinrich Schäfer, die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf

    1947 wurde die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau in der Friedberger Burgkirche gegründet. 70 Jahre später warf das Evangelische Dekanat Wetterau in einer Festveranstaltung einen Blick auf sieben bewegte Jahrzehnte.

    Claudia PfannemüllerPodiumsgespräch in der Friedberger Burgkirche: eine Zeitreise durch 70 Jahre EKHN

    Friedberg - Das Podiumsgespräch bot eine kurzweilige Reise durch die Kirchengeschichte. Dekan Volkhard Guth, der stellvertretende Dekan Uwe-Wagner-Schwalbe und Burgkirchenpfarrerin Claudia Ginkel führten durch den Abend. Mit dabei: prominente Kirchenvertreter wie die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf und der Präses der EKHN-Synode, Dr. Ulrich Oelschläger. Außerdem als Zeitzeugen die frühere Pröpstin von Rhein-Main, Helga Trösken, der ehemalige Präses Karl Heinrich Schäfer, Propst i.R. Michael Karg und der Theologe Professor Martin Stöhr.

    In der Friedberger Burgkirche hatte genau vor 70 Jahren die Gründungssynode der Evangelische Kirchen in Hessen und Nassau (EKHN) stattgefunden. Dort hatten sich Delegierte der drei Landeskirchen aus Nassau, Hessen und Frankfurt zum „Kirchentag“ versammelt, dem Vorgänger der späteren Kirchensynode. Sie bestimmten Martin Niemöller zum ersten Kirchenpräsidenten. Den Bischofstitel lehnte der Theologe mit Verweis auf den Führerkult der "Deutschen Christen" ab. „Der typische Aufbau unserer Landeskirche mit Kirchenvorständen, Dekanaten und Synoden wurde bereits zu dieser Zeit festgelegt,“ erklärte Dr. Ulrich Oelschläger.

    Schuldbekenntnisse nach dem Zweiten Weltkrieg

    Der Theologe Martin Stöhr wies auf die Bedeutung des „Darmstädter Worts“ hin, einer Erklärung, die 1947 unter Mitwirkung von Martin Niemöller in Darmstadt entstanden war. Die Kirche bekannte darin eine aktive Mitschuld an der NS-Zeit. "Wir sind in die Irre gegangen“ – so der Grundtenor der Erklärung. Die damals umstrittene Stellungnahme gehöre zu den Texten, die das Selbstverständnis der hessen-nassauischen Kirche geprägt haben, sagte Stöhr. Auch später habe sich die Landeskirche noch intensiv mit den historischen und theologischen Dimensionen des Antisemitismus auseinandergesetzt und ihre Abkehr davon 1991 in der Erweiterung ihres Grundartikels zum Ausdruck gebracht, der die bleibende Erwählung der Juden betonte.

    Thema Wiederbewaffnung und Niemöllers Kasseler Rede

    Martin Niemöller war eine vielschichtige Persönlichkeit: U-Boot-Kapitän im Ersten Weltkrieg, später Nazi-Gegner und KZ-Häftling. Er hat die hessen-nassauische Kirche geprägt, wie kein zweiter. Michael Karg machte darauf aufmerksam, dass sich Niemöller in den 50er Jahren zum radikalen Pazifisten entwickelte und vehement gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands kämpfte.

    Dabei war er nicht gerade zimperlich, was seine Wortwahl anging. Helga Trösken hörte als Schülerin von seiner legendären Kasseler Rede, in der er Kommandotruppen der Bundeswehr als Schule für Berufsverbrecher bezeichnete. Franz Josef Strauß zeigte ihn dafür an. Helga Trösken schrieb einen Brief an Niemöller und erhielt drei Tage später eine Antwort. Das machte einen so nachhaltigen Eindruck auf sie, dass sie den Brief bis heute aufbewahrt.

    „Was passiert, wenn der Pfarrer schwanger wird?“

    1987 wurde Helga Trösken zur Pröpstin gewählt und war damit die erste Frau in einem bischöflichen Leitungsamt in Deutschland. Die 75-Jährige bereicherte den Abend mit einigen unterhaltsamen Anekdoten. 1959 gab sich die EKHN ein erstes Pfarrerinnengesetz, die komplette Gleichstellung trat erst 1971 in Kraft. Das Gesetz sei in der Kirchensynode mit den Worten eingeführt worden: „Was passiert, wenn der Pfarrer schwanger wird?“, erinnert sich Trösken. Die engagierte Theologin hatte in der Kirche gegen ziemliche Widerstände zu kämpfen. „Ich wurde einmal gefragt, ob ich nicht mein Putzkleid ausziehen könne. Dabei war es das Jeanskleid, was ich besonders mochte“, erzählte Trösken. Für die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf  war Helga Trösken ein Vorbild als Frau in einem leitenden geistlichen Amt. Auch das politische Engagement der EKHN habe ihr als Jugendlicher sehr imponiert, berichtete Scherf.

    Gegen Rassismus und Apartheid

    Die EKHN verstand sich seit ihrer Gründung immer als eine politische Kirche. In den siebziger und achtziger Jahren war sie führend im Widerstand gegen die Politik der Apartheid in Südafrika. Als die Synode der EKHN beschloss, einen Sonderfonds gegen Rassismus des Ökumenischen Rats der Kirchen mit 100.000 DM zu unterstützen, kam es zu einer heftigen Debatte. Laut Martin Stöhr geriet die EKHN mit diesem Beschluss auch innerkirchlich in die Kritik. Mit Kirchensteuermitteln würden Terroristen unterstützt, monierten die Gegner. Die Evangelischen Frauen organisierten einen Boykott gegen Früchte aus Südafrika. „Kauft keine Früchte der Apartheit.“ Das sei eine ganz neue Form des Protests in der Kirche gewesen, erinnerte sich Stöhr.

    Hüttenkirche und die Auseinandersetzung um die Startbahn West

    In den achziger Jahren kam es im Rhein-Main-Gebiet zu Konflikten um die Startbahn West. Der Mörfelder Pfarrer Kurt Oeser wurde zu einer zentralen Figur des friedlichen Protests, die Hüttenkirche zum Symbol des Widerstands. Der Bau der Startbahn konnte jedoch letztlich nicht verhindert werden. Damals habe die Fraport behauptet, dies sei die letzte Startbahn, die gebaut werden würde, erinnert sich Martin Stöhr. „Heute müssen wir uns als Christen fragen, ob Wachstum eine ethische Kategorie ist, die für Christen Geltung haben kann,“ gab Stöhr zu bedenken.

    Zukunftsbild einer kleineren hoffnungsvollen Volkskirche

    Die Kirche habe sich im Laufe von sieben Jahrzehnten mit den großen Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung beschäftigt und sie inhaltlich gefüllt, sagte Volkhard Guth. Ulrike Scherf entwarf das Zukunftsbild einer hoffnungsvollen Volkskirche, die zwar kleiner werde aber sich immer noch zur Gesellschaft hin wende. Scherf: „Die EKHN wird auch in Zukunft eine diskutierfreudige und politische Kirche bleiben.“

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